Review: Pindos Festival 2015

– Griechenland im Herbst

Um die Geschichte zu lesen, bitte scrollen.

Volle vierzehn Tage wandern, biken, chillen … und natürlich paddeln. Das ganze bei bestem Wetter in einer paradiesischen Landschaft. Gut 30 Outdoor-Freunde aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Griechenland folgten dem Ruf zum 1. Pindos Outdoor & Kayak Festival am blauen Arachthos.

TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

Voller Einsatz, volles Risiko: Wie das Wetter wird, ob Herbstregen die Flüsse füllt, ja, auch ob die Paddelwelt uns die Bude einrennt. Das alles stand in den Sternen. Wir haben uns trotzdem dran gemacht. Scheuers Toros-Sprinter war schon im September mit zwölf Booten auf dem Dach durchs wilde Balkanien nach Plaka gedieselt. Nadja und Christian Zicke hatten nicht nur einen Hänger voller Seekajaks nach Korfu übergesetzt, sondern auch ein weiteres Dutzend Granaten aufs Wohnmobil gepackt. Camp-Chef Nikos hat pünktlich zum Festivalstart die Hotelterrasse verglast und neues Personal fürs Camp-Cafe eingestellt. Und dann? Haben wir gewartet. Der Dinge geharrt, die da kommen.

Auf dem Acheloos unterhalb des Mesochora-Damms. | Quelle: Nikos Manthos

Sie sind gekommen. Und wie! Fette Herbststürme haben die Bäche Nordgriechenlands bis zum Rand gefüllt. Und sich dann – husch husch ins Körbchen – in Windeseile verzogen, denn wie uns schnell klar wurde: Es war der Indian Summer, der sich Platzkarten gesichert hatte. Was für eine Wette, was für ein Gewinn! 13 Tage blauer Himmel, 13 Tage keine Wolken. Lediglich an einem Tag gab’s leichte Bewölkung und das Tageshoch lag unterhalb der 15 Grad. Das Wasser hat die erste Woche luxuriös gelangt. Bis zu 18 Paddler teilten sich den gleichen Fluss, dazu gab’s fast immer auch ein Trockenprogramm, das individuelle Grüppchen für sich erschlossen.

Guten Flug! Viel Sonne und viel Flow auf dem obersten Kalaritikos. | Quelle: scheuer

Der oberste Kalaritikos garantierte den furiosen Auftakt. Nahe des Kipina-Klosters, hoch über dem Fluss, begann das deutsch-griechische Team, die Boote in den Schluchtgrund zu tragen. Zur Belohnung gab’s selten befahrene Boulder-Katarakte, umrahmt vom güldnen Blätterkleid. In den Folgetagen ließen die Festivalpaddler ihre Schiffe auf dem oberen Acheloos, der Milchstraße des Arachthos sowie – zweifelsohne ein echtes Highlight – dem Acheloos unterhalb des Mesochchora-Damms zu Wasser. Die Canyons von Kalaritikos und Arachthos wie auch die Skoupa Section ab dem Camp zählten ohnehin zu den Standards.

Absolut panoramös! Der Arachthos-Einstieg direkt am Camp. | Quelle: Salome Fritz

Besonders die letztgenannte Etappe zeigte ihre unverblümte (dafür aber üppig mit buntem Herbstlaub) garnierte Schönheit auch in der zweiten Woche. Hier hatte jeder Spaß – ob im Duo-Topo, im Outside oder den Dickschiffen. Den Hauptgewinn hatten aber jene gezogen, die ihr Spielboot im Gepäck hatten. Nach all den volumenreichen Jahren wurden also Dagger SuperEgo, Necky Zip und Lettmann Rage entstaubt und ihrer Bestimmung zugeführt. Airtime, Baby!

Kitzelt die Nerven, beflügelt die Sinne: Gratwanderung in den Bergen nahe Melissourgoi. | Quelle: Salome Fritz

Auch wenn das Wasser in der zweiten Woche noch dicke für Canyon und Skoupa Section langte, zog die Truppe immer wieder raus aufs Land. Oder richtiger: hoch ins Gebirge. Das grandiose Wetter und damit auch die fabulöse Fernsicht machten den Gipfelsturm zur Pflicht. Ein Erlebnis der besonderen Art war der Sunset Trek zum 2393 Meter hohen Katafidi, von wo der Blick bis zum Meer reicht. Erlebnisreich war auch die Anfahrt zum Katarraktis Refuge, wo wiedermal bewiesen wurde, dass Allrad-Pisten noch lange keinen Allrad voraussetzen. Als lange, anstrengend und – wie der Angelsachse sagt – very rewarding stellte sich die Gratwanderung im Postkartenpanorama von Melissourgoi. Der Ridge Trek mit unglaublicher Aussicht hält dem Vergleich mit den schönsten Alpentouren mühelos Stand. Das Refuge von Melissourgoi im geschmacksvollem Hostel Style war unser Basislager, Gastgeber Apostolis hat in viel viel Arbeit nicht nur Wege freigeschnitten und markiert, sondern wurde von uns auch kurzerhand als Guide engagiert.

Taugt auch als MTB-Trail: der Wanderweg nach Skoupa direkt neben dem Fluss. | Quelle: Christian Zicke

Ebensolche Lokalkompetenz war verantwortlich für das perfekte Guiding der Mountainbiker. Gerademal sieben Kilometer vom Arachthos-Camp ist das neu eröffnete Bike-Zentrum in Agnanta erste Anlaufstelle für den Spaß auf zwei Rädern. Der erst 15-jährige Bike Guide Hermes legte auf den wunderschön geführten Tzoumerka Trails die Spur vor. Für sportliche Biker wie Wanderer gleichermaßen interessant ist der neu angelegte Wanderweg, der von Plaka zur Skoupa-Brücke führt. Dort gibt’s das seltene Vergnügen, in direkter Flussnähe dem schweißtreibenden Zweiradsport nachzugehen. Was nebenbei feine Fotos von den Paddlern sicherstellt.

Zu später Stunde am anderen Ende der Brücke. Gefährlich, gefährlich ... | Quelle: Unknown

Dem ausschweifenden Aktivprogramm zum Trotz sollte nicht vergessen werden: Auch die Ortslage in Plaka hat einiges zu bieten. So gastierten die Festival-Teilnehmer sowohl auf dem Via-Natura-Campingplatz als auch im fünf Gehminuten entfernten Hotel Teloneio. Letzteres war in der ersten Woche von den Paddlern exklusiv gebucht, und es war nicht nur den kalten Nächte geschuldet, dass der offene Kamin desöfteren zum allgemeinen Treffpunkt avancierte. Das Hotel war im wörtlichen Sinne Schauplatz der Fotoshow, wo neben einem Best-of des Festivals Eindrücke von Seekajak- und Wildwassertouren in Griechenland und Albanien über den Beamer liefen. Achja, lecker Wein, Tsipouröchen und natürlich das beste aus Marinas Küchenkunst wurde ebenso serviert. Und wenn man all das hinter sich hatte, musste man ja noch irgendwie zurück zum Camp, das Lagerfeuer wartete. Der Weg ist nicht weit, aber die Sirenen am anderen Ende der Brücke rufen laut. Kehr ein, mein Freund, nur ein Gläschen …

Keine Kommentare

Dieser Artikel hat bislang keine Kommentare erhalten.

Entschuldige, vielleicht sind alle Kommentare den Bach runtergegangen oder es hat einfach noch niemand einen Kommentar hinterlassen. :(

Aber du kannst der erste sein, der einen Kommentar hinterlässt !

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.

Review: Pindos Festival 2015

Volle vierzehn Tage wandern, biken, chillen … und natürlich paddeln. Das ganze bei bestem Wetter in einer paradiesischen Landschaft. Gut 30 Outdoor-Freunde aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Griechenland folgten dem Ruf zum 1. Pindos Outdoor & Kayak Festival am blauen Arachthos.